Newsletter Oktober 2026
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SGAD-Symposium: Sport, Schlaf und Depression – Neue Erkenntnisse für Prävention und Behandlung
Liebe Leserin, lieber Leser
Das diesjährige Symposium der SGAD am SGPP-Jahreskongress, der vom 17-18. September in Lugano stattfand, beleuchtete die Depression aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Dabei lieferten die zwei Vorträge des Symposiums Antworten auf die Frage: Welche Rolle spielen Sport und Schlaf bei der Prävention und Behandlung von Depression und Angst?
Hier haben wir für Sie das Wichtigste aus den zwei Referaten zusammengefasst.
Zudem wollen wir Sie bereits auf das nächste – 18th SFMAD – aufmerksam machen. Es findet am 15. April 2026 in Zürich statt. Bitte reservieren Sie sich den Termin!
Und nicht vergessen: News von der SGAD finden Sie auch auf Facebook und auf LinkedIn.
Wir wünschen Ihnen einen guten Jahresendspurt und sind gerne bei Fragen und/oder Wünschen für Sie da!
Herzlich,
Ihre SGAD-Geschäftsstelle
Sport als Antidepressivum? Sport & Bewegung in Prävention und Behandlung der Depression
PD Dr. med. Christian Imboden, Direktor Psychiatrische Dienste Solothurn
Die positiven Auswirkungen körperlicher Aktivität auf die physische und psychische Gesundheit sind seit Langem bekannt. Bereits 1847 empfahl der englische Psychiater John Conolly Bewegung als Bestandteil psychiatrischer Behandlungen. Doch welche Rolle spielt Sport heute in der Prävention und Behandlung von Depressionen? Dieser Frage ging PD Dr. med. Christian Imboden in seinem Vortrag nach und präsentierte aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Empfehlungen für die klinische Praxis.
Zunächst erläuterte PD Dr. Imboden die vielfältigen gesundheitlichen Vorteile regelmässiger Bewegung. Neben positiven Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Fitness, Muskelkraft und Knochengesundheit kann körperliche Aktivität auch die kognitive Leistungsfähigkeit, Schlafqualität und Lebenszufriedenheit fördern. Studien zeigen, dass Menschen mit einer Depression häufig eine geringere körperliche Fitness aufweisen und dass eine stärkere depressive Symptomatik mit schlechteren Fitnesswerten einhergeht. Zudem ist die Kombination aus Depression und körperlicher Inaktivität mit einer erhöhten kardiovaskulären Sterblichkeit assoziiert.
Im weiteren Verlauf seines Vortrags ging PD Dr. Imboden auf die Auswirkungen körperlicher Aktivität auf das Gehirn ein. Studien mit Mäusen zeigen, dass regelmässige Bewegung die Neurogenese fördern und die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. Auch beim Menschen weisen Untersuchungen auf einen Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und einem grösseren Hippocampusvolumen hin. Zudem beeinflusst Sport verschiedene biologische Prozesse, darunter die Regulation von Neurotransmittern, Wachstumsfaktoren und Entzündungsmediatoren sowie das Endocannabinoid- und Endorphinsystem. Diese Prozesse spielen auch bei der Entstehung und dem Verlauf von Depressionen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus kann regelmässige Bewegung helfen, die körperliche Stressreaktion zu regulieren und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress zu stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war das präventive Potenzial von Bewegung. Mehrere longitudinale Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen regelmässiger Bewegung und einem geringeren Depressionsrisiko hin. So wiesen Teilnehmende eines grossen schwedischen Skilanglaufrennens in der sogenannten Vasaloppet-Studie über einen Beobachtungszeitraum von 21 Jahren ein deutlich geringeres Depressionsrisiko auf als die Vergleichsgruppe aus der Allgemeinbevölkerung. Allerdings betonte PD Dr. Imboden, dass solche Beobachtungsstudien keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang belegen können.
Auch in der Behandlung von Depressionen zeigen Sportinterventionen vielversprechende Ergebnisse. Verschiedene randomisierte klinische Studien weisen auf positive Effekte regelmässiger Bewegung auf depressive Symptome und kognitive Funktionen hin. Eine grosse Netzwerk-Metaanalyse aus dem Jahr 2024 mit 218 Studien und über 14'000 Teilnehmenden untersuchte die Wirksamkeit körperlicher Aktivität bei Depressionen. Eine aktuelle Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2026 bestätigt, dass Sport depressive Symptome reduzieren kann, verweist jedoch auf methodische Einschränkungen, insbesondere kleine Stichproben und fehlende Verblindung. Im Vergleich zu psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlungen zeigten sich keine eindeutigen Wirksamkeitsunterschiede, wobei die Aussagekraft der Daten teilweise begrenzt bleibt. Auch ist noch nicht abschliessend geklärt, welche Patientengruppen besonders von Sportinterventionen profitieren.
Zum Abschluss ging PD Dr. Imboden auf die Empfehlungen für die klinische Praxis ein. Internationale Leitlinien wie die CANMAT-Guidelines, die deutschen S3-Leitlinien und die Empfehlungen der World Federation of Societies for Biological Psychiatry berücksichtigen körperliche Aktivität als Bestandteil einer multimodalen Depressionsbehandlung. Bei leichten Depressionen kann Sport eine Behandlungsoption darstellen, während bei mittelgradigen Depressionen regelmässiges Training insbesondere als ergänzende Massnahme empfohlen wird. Als mögliche Intervention wird ein strukturiertes Ausdauertraining mit mindestens drei begleiteten Einheiten von jeweils 45 bis 60 Minuten pro Woche über einen Zeitraum von mindestens zehn Wochen beschrieben.
Für die praktische Umsetzung empfahl PD Dr. Imboden, das körperliche Aktivitätsniveau der Patientinnen und Patienten systematisch zu erfassen, beispielsweise mithilfe standardisierter Fragebögen wie SIMPAQ oder IPAQ. Er unterstrich deshalb die Bedeutung einer nachhaltigen Förderung körperlicher Aktivität als integralen Bestandteil einer multimodalen Depressionsbehandlung, wobei insbesondere die individuelle Unterstützung der Patientinnen und Patienten bei der Umsetzung entscheidend ist.

Der Schlaf und das Gemüt
Prof. em. Dr. med. Martin Hatzinger, Med. Fakultät, Universität Basel
In seinem Vortrag ging Prof. em. Dr. med. Martin Hatzinger auf die Zusammenhänge zwischen Schlaf, Insomnie und Depression ein. Schlafstörungen können sowohl ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression als auch ein zentrales Symptom der Erkrankung sein. Dabei hat die Insomnie unterschiedliche Ursachen, die sich in fünf Kategorien, die sogenannten «5 P», einteilen lassen: physische, physiologische, psychologische, psychiatrische und pharmakologische Faktoren. Dazu zählen beispielsweise Schmerzen, Atemstörungen, Schichtarbeit, belastende Lebensereignisse, psychiatrische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente.
Verschiedene prospektive Studien zeigen, dass Menschen mit anhaltenden Schlafstörungen ein erhöhtes Risiko aufweisen, später eine depressive Episode zu entwickeln. Gleichzeitig gehört Insomnie zu den häufigsten Symptomen einer Depression und tritt bei mehr als 80 Prozent der Betroffenen auf. Schlafstörungen können bereits früh im Krankheitsverlauf auftreten und auch nach dem Abklingen anderer depressiver Symptome als Residualsymptom bestehen bleiben. Dabei können diese prädiktiv sein für das Auftreten neuer depressiver Episoden. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Schlafproblemen spielen deshalb sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung von Depressionen eine wichtige Rolle.
Im Weiteren stellte Prof. Hatzinger die neurobiologischen Zusammenhänge zwischen Schlaf und Depression vor. Dabei ging er insbesondere auf die Bedeutung von Neurotransmittern wie Noradrenalin sowie auf das neuroendokrine Stresssystem ein. Eine veränderte Stress-Regulation mit Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) und Kortisol als wichtigen Hormonen kann die Schlafqualität beeinträchtigen.
Im Schlaf von Insomnie-Patienten ist neben der Durchschlafstörung mit nächtlichen Wachphasen insbesondere der REM-Schlaf im Vergleich zu gesunden Personen fragmentiert: Betroffene schlafen instabiler und erleben einen stärkeren Wechsel zwischen den Stadien. Da der REM-Schlaf wesentlich an der Verarbeitung emotionaler Gedächtnisinhalte beteiligt ist, könnte eine gestörte REM-Schlafregulation auch den engen Zusammenhang zwischen Insomnie und Depression erklären.
Im weiteren Verlauf widmete sich Prof. Hatzinger den Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen bei Depressionen. Er betonte die Bedeutung der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), zu deren wichtigsten Bestandteilen Psychoedukation, Entspannungstraining und kognitive Interventionen gehören.
Ergänzend können medikamentöse Behandlungen eingesetzt werden. Bei Depressionen mit ausgeprägten Schlafstörungen kommen insbesondere schlaffördernde Antidepressiva wie Mirtazapin, Trazodon, Mianserin oder Agomelatin infrage. Auch einige trizyklische Antidepressiva besitzen sedierende Eigenschaften, sind jedoch aufgrund möglicher Nebenwirkungen insbesondere bei älteren Menschen mit Vorsicht einzusetzen.
Falls eine antidepressive Monotherapie nicht ausreicht, können je nach klinischer Situation Kombinationstherapien erwogen werden, beispielsweise mit einem Phytotherapeutikum, einem Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten (BRA) oder beim Einsatz eines antriebssteigernden Antidepressivums die Kombination mit einem niedrig dosierten, schlaffördernden Antidepressivum. Dabei sollten BRA aufgrund möglicher Risiken in der Regel nicht länger als vier Wochen eingesetzt werden.
Als weitere Möglichkeit erwähnte Prof. Hatzinger die Kombination eines Antidepressivums mit neueren dualen Orexin-Rezeptor-Antagonisten. Abschliessend unterstrich er die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnostik und gezielten Behandlung von Schlafstörungen, da diese sowohl für den Verlauf einer Depression als auch für die langfristige Genesung von grosser Bedeutung sind.

Neu können Sie unseren Kongress vom 15. Mai 2026 – das SFMAD – online nochmals anschauen. Die Videos wurden akkreditiert und nach Beantwortung der Fragen erhalten Sie entsprechende Credits.
Link zu den
Videos unten:
«Psychische Gesundheit im Fokus»
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