Newsletter Juli 2026
- 12. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
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Liebe Leserin, lieber Leser
Wie lässt sich Psychopharmakologie so vermitteln, dass sie im klinischen Alltag wirklich hängen bleibt? Ein evidenzbasiertes Psychopharmaka‑Kartenspiel setzt genau hier an: Für 53 zentral wichtige Wirkstoffe verdichtet es Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Interaktions‑ und Intoxikationsrisiken zu übersichtlichen Profilen - basierend auf Netzwerk‑Metaanalysen und weiterer hochwertiger Fachliteratur. So werden spielerische Elemente gezielt genutzt, um klinisch relevantes Wissen nachhaltig zu erwerben.
Psychopharmakologie spielerisch lernen
PD Dr. med. Werner Surbeck, PhD
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und PsychosomatikPsychiatrische Universitätsklinik Zürich
Prof. Dr. med. Georgios Schoretsanitis, PhD. Abteilung für Pharmakogenetik und Klinische Psychopharmakologie Universitätsspital Lausanne (CHUV).
Gamification bedeutet, spielerische Elemente in Bereiche einzuführen, die eigentlich nichts mit Spielen zu tun haben - zum Beispiel in die medizinische Aus‑ und Weiterbildung. Ziel ist, den Lernprozess abwechslungsreicher zu gestalten und die Auseinandersetzung mit den Inhalten aktiver zu machen. Typische Elemente sind Punkte, ein gewisser Wettbewerb und unmittelbares Feedback. Das kann die Motivation erhöhen und dazu beitragen, dass komplexe Inhalte besser im Gedächtnis bleiben. Verschiedene Studien zeigen, dass gamifizierte Lehrangebote nicht nur mehr Freude am Lernen machen, sondern auch Prüfungsleistungen und klinische Urteilsfähigkeit verbessern können. (Heydari et al., 2024)
Gerade in der Medizin kann ein spielerischer Zugang helfen, abstraktes Wissen mit konkreten Situationen zu verknüpfen. Statt nur Fallbeispiele zu diskutieren, werden Entscheidungen in einem Spielkontext ausprobiert. Beispiele sind Simulationen, fallbasierte Spiele oder Escape‑Rooms, in denen Teams gemeinsam Aufgaben lösen und dabei fachliche wie kommunikative Kompetenzen trainieren. (Guckian et al. 2020; Pawar et al., 2024)
Ein Beispiel für diesen Ansatz ist ein Psychopharmakologie‑Quartett nach dem bekannten Quartett‑ bzw. „Top‑Trumpf“‑Prinzip (www.topdrugs.ch). Jede Karte repräsentiert einen bestimmten Wirkstoff, etwa ein Antidepressivum, ein Antipsychotikum, ein Hypnotikum, einen Stimmungsstabilisierer oder ein Medikament zur ADHS‑ oder Demenz‑Behandlung. Auf der Karte sind die wichtigsten Fakten knapp zusammengefasst: Indikationen, Wirksamkeit, typische Nebenwirkungen, Interaktions‑ und Intoxikationsrisiken. Die Bewertungen stützen sich auf Netzwerk‑Metaanalysen und weitere hochwertige Literatur, sodass die Profile der Substanzen untereinander gut vergleichbar werden.
Im Spielverlauf wählen die Teilnehmenden jeweils eine Kategorie - zum Beispiel Wirksamkeit, Sedierung, Gewichtszunahme, Interaktionsrisiko oder Letalität bei Überdosierung - und vergleichen die Karten. So entstehen wie nebenbei die gleichen Fragen, die auch den klinischen Alltag prägen: Welche Substanz ist besonders wirksam? Bei welchen Substanzen ist das Risiko einer QTc‑Verlängerung besonders hoch? Welche Präparate sind bei Intoxikation kritisch, und bei welchen ist ein enges Monitoring angezeigt? Die Unterschiede zwischen den Medikamenten werden dadurch nicht nur abstrakt gelernt, sondern Schritt für Schritt konkret erlebt, verbunden mit möglichen Diskussionen.
Solche spielerischen Formate lassen sich gut in Kleingruppenunterricht oder Weiterbildungskurse einbauen. Sie lockern pharmakologische Inhalte auf und regen Gespräche über konkrete Behandlungssituationen an. Lernende können das Quartett aber auch informell nutzen - allein zu Hause oder zusammen mit Kolleg:innen, um Wissen zu Psychopharmaka zu wiederholen. Im klinischen Alltag hilft es zudem, Behandlungsoptionen mit Patient:innen anschaulich zu erklären und gemeinsam zu besprechen.
Gamification ersetzt klassische Lehrformen nicht, kann sie aber sinnvoll ergänzen. Durch Wiederholung, direkte Rückmeldungen und den Bezug zu typischen Entscheidungssituationen bleiben die Profile wichtiger Psychopharmaka besser abrufbar und lassen sich im Alltag leichter anwenden.


